Radeln durch die Karpaten

Geheimnisvoll, mysteriös, obskur – so erscheint ein Gebirge, welches sich auf über 2000 Kilometern Länge durch Südost- und Mittelosteuropa erstreckt, in der Wahrnehmung der meisten Leute, gegenüber denen ich seinen Namen erwähne. Oftmals wird sogar die Frage aufgeworfen, wo es sich denn befinde.

„In den Karpaten“ oder „In der Walachei“ sind Ausdrücke, welche nahezu jeder deutsche Muttersprachler kennt. Sie bedeuten so viel wie „weit weg“ oder „außerhalb der Zivilisation“. Dabei schwingt in diesen Phrasen eine negative Konnotation mit: An so einem Ort möchte niemand sein, hierhin gerät ein Mensch nur unfreiwillig – soviel ist klar.

Warum das so ist, kann hier nicht in aller Ausführlichkeit diskutiert werden. Sicher ist aber, dass die Unbekanntheit der Karpaten und ihr schlechtes Image eng zusammenhängen. Historisch gesehen wurden in Deutschland die Länder jenseits seiner östlichen Grenzen stets als wild, gefährlich und barbarisch wahrgenommen.

Aus den Karpaten und der zu diesen gehörigen Walachei hatte man vor Langem bereits Geschichten über einen gewissen Vlad Tepes oder auch Dracul gehört, welcher als grausamer und blutrünstiger Herrscher beschrieben worden war. Ein irischer Schriftsteller namens Bram Stoker, welcher das Land niemals besucht hatte, sponn auf Grundlage dieses historischen Stoffes eine Story des nachtaktiven, untoten und blutsaugenden Grafen Dracula. Angst ist das zentrale Moment dieses Mythos‘. Die Teilung Europas während des Kalten Krieges tat ihr Übriges und die Karpaten lagen abgeschottet und unheilvoll dar.

Es wäre sicherlich nicht allzu weit hergeholt, die Karpaten als den kleinen Bruder der Alpen zu bezeichnen. Sie sind deutlich niedriger, weniger steil und alpin. Dafür sind sie wilder, verlassener und urspünglicher. Sie sind bedeckt vom größten in Europa verbliebenen zusammenhängenden Urwald, der eine Menge Platz bietet für Bär, Wolf und Co. bietet. – Grund genug, eine Tour in ihnen zu unternehmen.

Die beste Art und Weise, sich einen Überblick zu verschaffen, ist und bleibt meiner Meinung nach auf dem Fahrrad. Es ist schnell genug, um möglichst viel zu sehen und langsam genug, um das Gesehene intensiv zu erleben. So kam vor längerer Zeit bereits der Plan auf, die Karpaten der Länge nach zu durchradeln.

Ich startete zu meinem dreiwöchigen Trip in Belgrad, überquerte die serbisch-rumänische Grenze und folgte der Gebirgskette bis in die Hohe Tatra an der polnisch-slowakischen Grenze. Dabei fuhr ich mal in der Mitte, mal an der einen und der anderen Seite, was natürlich einige Überquerungen mit einschloss.

Planmäßig erreichte ich nach etwa 1700 Kilometern und unzähligen Höhenmetern Krakau. Dabei hatte ich meinen Teddy sowie eine Action-Cam, mit der ca. 16 Stunden Videomaterial aufgezeichnet wurden, welches nun zu einem kleinen Film zusammengeschnitten wird. Daneben bereite ich Vorträge vor und plane, in der nächsten Zeit immer wieder kleine Anekdoten dieser wunderbaren Reise sowie Fotos hier auf dieser Seite zu veröffentlichen.

Outfeld is back. Be aware!

2018-02-27T09:04:05+00:00Juli 16th, 2016|Balkan, Karpaten, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, Touren, Trekking, Ukraine|