Drei Tandems und eine Mission – die Mut-Tour 2016

Zufällig stieß ich im Winter 2015/2016 auf die Anzeige eines besonderen Outdoor-Projektes.

Auf der sogenannten „Mut-Tour“ fahren den ganzen Sommer über zwei Gruppen mit jeweils drei Tandems durch Deutschland. Alle zwei Wochen wird die Mannschaft ausgetauscht, sodass es eine in Etappen gegliederte Staffelfahrt ist.

Allerdings geht es dabei nicht allein darum, mit dem Tandem durch das ganze Land zu reisen und sich die Gegend anzuschauen, handelt es sich doch in erster Linie um ein Öffentlichkeitsprojekt der Deutschen Depressionsliga.

Hier treffen sich Menschen, die in ihrem Leben Erfahrungen mit Depressionen gemacht haben mit solchen, welche über solcherlei Erfahrungen nicht verfügen.

Zusammen radelt man auf einer vorher festgelegten Route zu Presseterminen, Infoständen, von welchen aus teilweise auch Mitfahraktionen des ADFC starten und die Gruppe einige Kilometer begleiten.

Die Mut-Tour ist ausdrücklich kein therapeutisches Projekt. Es geht hier vielmehr darum, über die Krankheit aufzuklären, denn genau dies ist Depression: eine Krankheit. Als solche besitzt sie all die Folgen, welche Krankheiten auslösen. Nicht nur, dass Betroffene sich schlecht fühlen und außer Lage gesetzt werden, ihr ganz normales Leben weiterzuführen. Das Thema Selbstmord macht sie auch zur tödlichen Krankheit.

Auf der anderen Seite ist Depression aber auch behandelbar und genau dies will die Mut-Tour Betroffenen und deren Angehörigen vermitteln. Die Mitreisenden mit Derpressionerfahrung sind hierfür das beste Beispiel, da sie einen Weg gefunden haben, mit der Krankheit fertig zu werden. Deren Geschichten sollen anderen Betroffenen Mut machen, sich in professionelle Hilfe zu begeben – der Name „Mut-Tour“ ist also programmatisch.

Auf der anderen Seite gehört aber auch viel Mut dazu, öffentlich über Depressionen zu sprechen, sofern es um eigene Erfahrungen damit geht. Auch heutzutage hören Betroffene vielfach, sie sollten sich „nicht so anstellen“. Oftmals wird ihnen schlichtweg Faulheit vorgeworfen und Arbeitgeber reagieren besonders reserviert, da sie eine Minderung der Arbeitskraft befürchten.

Stigmatisierung ist generell ein großes Problem für psychisch Kranke. Gesellschaftlich ist es immernoch ein großer Unterschied, ob jemand zum Physiotherapeuten oder zum Psychotherapeuten geht, ob er oder sie einen Herzinfarkt hatte oder eine Depression. Die Mut-Tour möchte einen Beitrag dazu leisten, dass sich dies ändert.

Unsere Etappe von Münster nach Mainz stand wohl unter einem glücklichen Stern, da uns das Wetter ausnahmslos wohl gesonnen war. Zudem fanden sich eine Menge interessierter und hilfsbereiter Leute, die das Projekt tatkräftig unterstützten.

Auf der Mut-Tour habe ich erfahren, wie sich Outdoor-Aktivitäten mit Öffentlichkeitsarbeit kombinieren lassen. Auch habe ich als Außenseiter Einblicke in das ernste und wichtige Thema Depression bekommen und dabei nette und interessante Leute kennengelernt. Das durchorganisierte Leben auf der Tour und in der Gruppe hat mir zudem Anstöße für meine eigenen Touren gegeben, denn es ist immer wieder erhellend und befruchtend zu sehen, wie andere Begeisterte das Outdoor-Erlebnis planen und angehen.

Wer sich für die Mut-Tour interessiert und/oder teilnehmen möchte, sei auf den folgenden Link verwiesen:

mut-tour.de

2017-03-02T11:21:01+00:00Juli 23rd, 2016|Uncategorized|