Griechenland: Samos

Die Heimatinsel des berühmten Pythagoras, von deren Ostküste man scheinbar mal eben in die benachbarte Türkei herüberschwimmen kann, ist die achtgrößte Griechenlands. Zwei Gebirgsmassive – Kerkis im Westen und Ambelos in der Mitte – geben Möglichkeiten für Wanderungen.

Die höchste Erhebung im Ambelos, welche geradezu natürlicherweise den Namen Profitis Ilias trägt (wie könnte es auch anders sein hier in der Ägäis?) ist für geübte und konditionierte Mountainbiker bis zur höchsten Stelle auf 1153 Metern gut befahrbar. Dieser ist nach der zum Kerkis zugehörigen Vigla (1434 Meter) der zweithöchste Berg auf Samos.

Vom Zeitaufwand sollte eine Besteigung der Vigla auch und vor allem von Hochgebirgskennern nicht unterschätzt werden. Zwar erscheint die Höhe des Berges versierten Bergwanderern als lächerlich, jedoch darf nicht vergessen werden, dass der Ausgangspunkt der Wanderung nahezu auf Meereshöhe beginnt und nicht wie in den Alpen auf beispielsweise 800 Metern.

Dies ist der Grund, weshalb ich selbst zu dieser Wanderung bis jetzt noch gar nicht gekommen bin. Es fehlte einfach die Zeit, da ich als Bikeguide im Osten der Insel untergebracht war und kein Fortbewegungsmittel zur Verfügung hatte, welches mir ermöglicht hätte, innerhalb eines freien Tages die Wanderung inklusive Hin- und Rückfahrt zeitlich zu schaffen. So nahm ich mit einer Mountainbike-Tour am Profitis Ilias Vorlieb und verbrachte an ihm einen vollends gelungenen Tag. Der Aufstieg führte von Pyrgos aus kommend über Pandrosos hinauf. Auf schätzungsweise 1000 Metern Höhe führt linker Hand eine Sackgasse durch Kiefern zum Gipfel, welchen eine Kapelle ziert. Danach geht es um den Gipfel herum die Schotterpiste weiter in Richtung Vourliotes. Ich folgte diesem Weg bis zur Abzweigung nach Mitilini, um dieser zu folgen. Dort führt der Weg durch wilden Urwald und ganze Hänge gelb blühenden Ginsters herab. Eine in jedem Fall zu empfehlende Tour, welche durch die zentrale Lage des Bergmassivs aus jeder Richtung der Insel kommend an einem Tag gut zu schaffen ist. Aus dem Westen kommend wäre dann zu empfehlen, bei der Abfahrt den Weg nach Vourliotes statt, wie ich, nach Mitilini zu nehmen. So oder so ist auf jeder Gebirgstour ausreichend Wasser mitzunehmen!

Obwohl die Entfernung zur türkischen Küste an der engsten Stelle nur etwa eineinhalb Kilometer beträgt, ist die Idee dort herüber zu schwimmen keine gute, da die Meerenge über starke Strömungen verfügt, die genau in die falsche Richtung führen – nämlich genau raus in die offene Ägäis. Das Marmeladenbrot fällt ja auch immer auf die bestrichene Seite… Zudem wird die in der Mitte liegende Staatsgrenze stark bewacht, bildet sie doch die Außengrenze des Schengenraums und lädt aufgrund der Nähe jährlich tausende Asylsuchende zum Übersetzen ein. Wer es doch wagt herüberzuschwimmen, sollte sich also in irgendeiner Weise ausweisen können, da sonst Probleme entstehen könnten.

In jedem Fall bietet Samos eine Menge Möglichkeiten sich auszutoben und verfügt über eine sehenswerte Landschaft und Flora. Neben besagten Gebirgstouren sind insbesondere diverse Wanderrouten im Nachtigallental zu empfehlen sowie mit dem Fahrrad entlang der Südküste unter Einbeziehung des Ortes Spatharei zu fahren, da sich von dort ein weiter Blick die schroffen Felsen herab auf die Weite des Meeres inklusive der Fournoi-Inseln und im Hintergrund einen Teil Ikarias bietet.

Samos ist im Vergleich zu Ikaria einfach zu erreichen, da es deutlich touristischer ist und über einen rege frequentierten internationalen Flughafen verfügt. Es gibt eine Reihe von Direktflügen auch aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Trotzdem gibt es sehr ruhige und zuweilen einsam anmutende Ecken und der deutlich stärkere Tourismus sollte niemanden abschrecken, da die von oben aus gesehen delfinförmige Insel groß genug ist, dass es sich verläuft und die meisten Touristen sich ohnehin an den wenigen Sandstränden tummeln.

Samos – schöne Insel!

2017-03-07T10:56:11+00:00 Juli 7th, 2015|Uncategorized|