Griechenland: Ikaria

Die Insel, auf welcher der Sage nach Dädalus seinen Sohn Ikarus begraben haben soll, gehört mit der Nachbarinsel Samos zu den Südlichen Sporaden und bietet dem Reisenden eine zerklüftete, waldreiche und wilde Landschaft. Steil fallen die Felsen ins Meer und nur wenige sandige, seichte Stellen bieten einen Zugang zum Baden.

War es ein möglicherweise daraus entstehender Eindruck vermeintlicher Unwirtlichkeit, welcher sie in den Augen der Herrschenden zur Verbannungsinsel prädestinierte? Jedenfalls war Ikaria sowohl im Byzantinischen Reich als auch unter den aus dem Griechischen Bürgerkrieg siegreich hervorgehenden Nationalisten ein Ort, an welchen politisch Unliebsame abgeschoben wurden. Das führte im Endeffekt dazu, dass die Kommunisten sich als stärkste politische Kraft hier dauerhaft etablieren konnten. Nicht nur in der Politik, der ganze Lebensrhythmus dieser Insel spricht eine deutliche Sprache: Ikaria ist anders, anders als die anderen Inseln und anders als der Rest Griechenlands.

Es gibt zwar Touristen, jedoch weit weniger als auf der Nachbarinsel Samos oder auf den Kykladen. Die Bewohner schätzen sie, jedoch scheint der Wille nach sonderlich viel mehr Tourismus nicht weit verbreitet zu sein. Die Fremdenverkehrsstandards der heutigen Zeit sind dementsprechend hier auch noch nicht so ganz angekommen, was den Charme verstärkt und konserviert. Hotels gibt es wenige, asphaltierte Straßen setzen manchmal aus, führen weiter als Schotterpiste, um nach teilweise wenigen hundert Metern plötzlich und ohne jeden erkenntlichen Grund erneut asphaltiert zu sein, ganz so als wäre nichts gewesen.

Der Wind bläst hier aufgrund der maritimen Exponiertheit stärker als auf Samos, welches durch die gebirgige Küste der benachbarten Türkei deutlich geschützter liegt. Die Wellen schlagen dann kraftvoll auf die Felsen auf, dass es eine wahre Freude ist und bei Bewölkung und kühleren Temperaturen fühlt man sich zuweilen ein wenig an rauere Gefilde erinnert. Anspruchsvolle Gebirgswanderungen sowie ambitionierte Fahrradtouren sind hier problemlos zu haben. An der Geographie Ikarias können sich sportlich Begeisterte abarbeiten und Naturliebhaber ihre Ruhe finden. Diese vielen Möglichkeiten gewährleisten, dass der berühmt berüchtigte Inselkoller erst einmal warten muss. Nach allem, was ich bis jetzt in der Ägais kennen gelernt habe, könnte das Urteil einfacher nicht sein: Ikaria ist mein absoluter Favorit.

2017-03-07T10:56:17+00:00 Juni 27th, 2015|Uncategorized|