Buchrezension: Cheryl Strayed – Der große Trip

In „Der große Trip“ beschreibt Cheryl Strayed ihre bereits 20 Jahre zurückliegende Wanderung auf dem Pacific Crest Trail (PCT), einem Fernwanderweg, welcher über die Höhen der Sierra Nevada und der Cascade Range die US-amerikanisch-mexikanische Grenze mit der Canadas verbindet. Ursprünglich unter dem Titel „Wild“ erschienen, stellt die 4. Auflage eine Sonderveröffentlichung zur 2014 erschienenen Verfilmung dar.

Der frühe Tod ihrer Mutter wirft Cheryl vollkommen aus der Bahn. Eine gescheiterte Ehe, gefährliche Experimente mit harten Drogen sowie ein ausschweifendes Sexualleben bilden die Kernelemente der darauffolgenden vier Jahre, bis ihr in einer Buchhandlung zufällig ein Wanderführer über den PCT in die Hände fällt. Sie blättert darin, stellt ihn wieder weg, um wenige Tage später zurückzukehren und das Buch zu kaufen.

Die Idee, auf dem Trail eine Fernwanderung zu unternehmen, ist ihr so plötzlich in den Sinn gekommen und bleibt dort unauslöschlich hängen. Innerhalb weniger Monate bereitet die völlig Unerfahrene sich auf das monatelange Leben in der Wildnis vor, besucht Outdoor-Läden, unterhält sich mit Experten, schiebt Bedenken ihrer Freunde und Bekannten kategorisch beiseite und zieht schließlich mit viel zu viel Gepäck und zu kleinen Wanderschuhen los.

Was folgt, ist ein anstrengendes und zeitweilig zermürbendes aber zugleich in seiner Schönheit unvergessliches Abenteuer, bei dem insbesondere auch die erhoffte kathartische Wirkung beim Verarbeiten des Verlusts der Mutter ihren Dienst tut. Hier werden die Erlebnisse einer jungen Frau geschildert, die sich voller Naivität und auf sich allein gestellt in das Reich der Bären, Kojoten und Klapperschlangen aufmacht.

Für Anfänger und Laien ist „Der große Trip“ ein sehr erhellendes, aufklärendes, sicherlich auch inspirierendes und ermutigendes Buch, während fortgeschrittene und professionelle Wanderer an der einen oder anderen Stelle oftmals nicht ohne Schmunzeln Parallelen zu eigenen Erfahrungen feststellen und darüber hinaus noch dazulernen können. Der PCT, welcher bis heute deutlich weniger bekannt ist als sein östliches Pendant, der Appalachian Trail, dürfte durch dieses Buch – und mehr noch durch den darauf basierenden Film – an Popularität deutlich zugewinnen.

Auf jeden Fall ist die Erzählung, die von autobiografischen Rückblicken gespickt ist, für Outdoor-Interessierte wärmstens zu empfehlen, da hier definitiv die Lust auf mehr gesteigert wird. Wer dieses Buch liest, wird sicherlich bald über Wanderkarten brütend erwischt werden.

2017-02-28T11:21:47+00:00Juli 10th, 2015|Uncategorized|