Arnsberger Wald – ein Sommernachtstraum

Dunst hängt über dem Tal, die Heve plätschert ruhig vor sich hin. Die Luft ist kühl und klamm. Es ist morgens um halb sieben, während ich aus meinem Biwakzelt krabbel.

Ich habe gut geschlafen. Mehrfaches Aufwachen in der Nacht empfinde ich im Wald nicht als unangenehm – im Gegenteil: Ich nehme wahr, wie die Nacht fortschreitet. Zwischendurch ist es duster wie im Sack, in der Ferne ist ein Kauz zu hören. Absolute Stille umrahmt seine gelegentlichen Rufe.

Vielfach finden Menschen diese Atmosphäre als schaurig, andere können damit rein gar nichts anfangen. Unverständlich, denke ich und drehe mich im Schlafsack um. Aber irgendwie auch gut, sonst wären sie alle hier unterwegs und das alles wäre dahin. Ich wache zwar mehrmals auf, schlafe jedoch auch schnell wieder ein. Es ist Sommer und es zieht mich nicht in die Sonne und an überfüllte Strände. Ich feiere keine wilden Parties. Stattdessen habe ich mich mal wieder in meine Welt zurückgezogen und bin im Arnsberger Wald.

Der Arnsberger Wald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet des Sauerlands. Es liegt nah an meiner Heimatstadt und so war ich von Kindheit an oft dort. An Sonntagen fuhren wir mit meinen Großeltern dort zum Mittagessen, gingen in den Wildpark in Völlinghausen, spazierten eine Runde und dann gab es das Kaffeetrinken im selben Restaurant, wo auch das Mittagessen stattfand. Sämer heißt dieser Laden und sieht heute noch so aus wie in den 80ern. Natürlich gibt es dort Hirsch und Wildschwein mit brauner Soße und Preißelbeeren – ein Gedicht!

Später ging ich mit meinem Vater regelmäßig in den Wald, der 1961 zum Naturpark erklärt worden war. Ich lernte ihn besser kennen. Nun mache ich meine eigenen Touren und entdecke immer wieder neue Orte – und die alten immer wieder neu. Zwei bis drei Stunden Radeln benötigt es, um den Wald von meinem Zuhause aus zu erreichen.
Schnell werden die Sachen zusammengepackt. Ich schiebe das Rad etwas umher und genieße den Morgen. Kurz vor dem Wanderparkplatz Rissmecke kommt mir der erste Mensch an diesem Tag entgegen. Er hat einen Fotoapparat mit einem großen Objektiv dabei und macht die ersten Probeschüsse auf die Baumkronen. Da mich seine Arbeit interessiert, möchte ich ihn zunächst danach fragen. „Morgen“, sage ich zu ihm. Er schaut grimmig und knurrt „Morgen“ zurück. Ich belasse es dabei.

Sechs Hirsche habe ich in freier Wildbahn gesehen, am eingezäunten Wildpark kommen noch einige Dammhirsche dazu. Wald- und Wiesenromantik – wenn Ihr darauf steht, seid Ihr hier richtig! Ich bin glücklich, während ich am Südufer des Möhnesees entlang den Heimweg antrete.

2017-02-26T21:39:03+00:00 August 22nd, 2015|Touren|